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Der lokale KI-Agent 2026 – was wirklich geht, was er kostet und wo die Cloud gewinnt

KI-Agenten erledigen inzwischen ganze Arbeitsabläufe selbstständig: Sie rufen Programme auf, lesen Dateien, korrigieren Fehler, arbeiten mehrstufig bis zum Ergebnis. Die naheliegende Frage für jedes Unternehmen mit sensiblen Daten: Geht das auch im eigenen Haus – ohne dass ein einziges Byte zu einem Cloud-Anbieter wandert? Die kurze Antwort: Ja, seit diesem Jahr. Die ehrliche Antwort ist länger – und genau die bekommen Sie hier, mit belegten Zahlen statt Prospekt-Prosa.

Stand: Juli 2026 · von byteland software solutions

Vorweg zur Einordnung: Dieser Beitrag ist keine Bastelanleitung, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Alle Zahlen stammen aus veröffentlichten Benchmarks, Preislisten und nachprüfbaren Messreihen – wo Hersteller sich selbst benoten, sagen wir das dazu. Und weil sich dieses Feld schneller dreht als jedes andere in der IT: Alles hier ist eine Momentaufnahme vom Juli 2026.

Vom Chatbot zum Agenten – der Unterschied, der Hardware kostet

Ein Chatbot beantwortet eine Frage und ist fertig. Ein Agent bekommt ein Ziel: „Prüfe die Eingangsrechnungen auf Abweichungen und lege die Treffer im Ordner ab." Dafür muss das Modell Werkzeuge aufrufen (Dateien lesen, Programme starten, Datenbanken abfragen), die Ergebnisse bewerten und den nächsten Schritt planen – zehn-, zwanzig-, fünfzigmal hintereinander, ohne dass jemand daneben sitzt.

Genau diese Mehrstufigkeit ist die eigentliche Hürde, und sie wird regelmäßig unterschätzt. Denn Fehler multiplizieren sich: Ein Modell, das jeden Einzelschritt mit 95 % Zuverlässigkeit schafft, bringt einen Ablauf aus zehn Schritten nur noch in rund 60 % der Fälle fehlerfrei zu Ende. Erst bei 99 % je Schritt sind es gut 90 %. Deshalb trennt sich bei Agenten die Spreu vom Weizen nicht an der Eloquenz der Antworten, sondern an der Zuverlässigkeit unter Last.

Der Maßstab: Agententauglichkeit misst man nicht daran, wie schön ein Modell formuliert, sondern wie zuverlässig es Werkzeuge bedient – Schritt für Schritt, über lange Ketten. Dafür gibt es eigene Benchmarks, und die ziehen wir in diesem Beitrag heran.

Warum überhaupt lokal?

Die Cloud-Modelle sind stärker – das werden Sie weiter unten schwarz auf weiß sehen. Warum also überhaupt lokal? Aus denselben Gründen, aus denen wir Websites ohne Tracking bauen: Was das Haus nicht verlässt, muss man weder erklären noch verantworten.

  • Datenhoheit: Verträge, Patientendaten, Kalkulationen, Quellcode – bei einem lokalen Modell verlässt nichts davon Ihr Netz. Kein Drittlandtransfer, kein externer Auftragsverarbeiter für die Inferenz, keine Debatte über Trainingsnutzung.
  • Planbare Kosten: Cloud-Agenten rechnen pro Token ab – die Spitzenklasse aktuell mit 10 US-Dollar je Million Eingabe- und 50 US-Dollar je Million Ausgabe-Tokens. Ein Agent, der den ganzen Tag arbeitet, produziert Millionen davon. Lokal zahlen Sie Hardware und Strom.
  • Unabhängigkeit: Kein API-Limit, keine Preiserhöhung, kein Anbieter, der ein Modell abschaltet, auf das Ihre Abläufe gebaut sind.

Die Frage ist also nicht, ob lokal attraktiv ist – sondern ob es 2026 gut genug ist. Dafür muss man wissen, wer wo spielt.

Die drei Ligen: Wer 2026 wo spielt

Der häufigste Denkfehler in dieser Debatte steckt in einem Gleichheitszeichen: „frei verfügbar" heißt nicht „läuft bei Ihnen im Serverraum". Wer die Lage sortieren will, braucht drei Ligen statt zwei:

LigaVertreterSWE-bench Verified*Läuft wo?
1 – Cloud-Speerspitze Claude Opus 4.8, Claude Fable 5 88,6 % nur beim Anbieter
2 – Offene Schwergewichte DeepSeek-V4-Klasse, Kimi K2.6 ≈ 80 % Rechenzentrum – Modelle bis zur Billionen-Parameter-Klasse
3 – Lokal auf einer Karte Qwen3-Coder-Next, GLM-4.5-Familie 71,3 % eigener Server mit 48–96 GB Grafikspeicher

* SWE-bench Verified: Standard-Benchmark, bei dem Modelle echte Fehler in echten Open-Source-Projekten selbstständig beheben müssen. Werte laut Hersteller- und Leaderboard-Angaben, Stand Juli 2026.

Liga 2 ist der Ort, an dem Schlagzeilen entstehen („Open-Source-Modell schlägt GPT!") – aber diese Modelle haben teils rund eine Billion Parameter und brauchen ein Rechenzentrum. Wer sie über eine gemietete Schnittstelle nutzt, hat wieder eine Cloud, nur mit anderem Logo. Für einen echten lokalen Agenten zählt Liga 3: Modelle, die auf einer bezahlbaren Maschine in Ihrem Serverraum laufen.

Die eigentliche Überraschung: Das beste lokal lauffähige Modell (Qwen3-Coder-Next, 71,3 %) schlägt auf SWE-bench Verified das Cloud-Modell GPT-5.5 (58,6 %). Lokal heißt 2026 nicht mehr Spielzeug – es heißt „eine Generation hinter der Spitze", und die Spitze ist derzeit sehr weit vorn.

Die Modelle: frei verfügbar, lizenzsauber, erstaunlich gut

Für den Firmeneinsatz zählt neben der Leistung die Lizenz – und hier ist die Lage erfreulich klar. Die führenden offenen Modelle stehen unter Apache-2.0- oder MIT-Lizenz: kommerzielle Nutzung ausdrücklich erlaubt, ohne Sonderklauseln und ohne Namenslisten, wen man nicht beliefern darf.

ModellLizenzBauartStärke
Qwen3-Coder-Next Apache 2.0 80 Mrd. Parameter gesamt, 3 Mrd. je Schritt aktiv; 262.000 Tokens Kontext Programmier-Agent: 71,3 % SWE-bench Verified
GLM-4.5-Familie MIT volle Größe und schlankere „Air"-Variante Werkzeug-Automatisierung: bestes offenes Ergebnis auf τ-bench
DeepSeek-V3.2 MIT Mixture-of-Experts starker Allrounder, zweite Wahl fürs Coding

Für die zwei typischen Einsatzfälle heißt das:

Programmier-Agent (Fehler beheben, Code umbauen, Tests schreiben): Qwen3-Coder-Next ist die klare Empfehlung. 71,3 % auf SWE-bench Verified bedeutet: Fast drei von vier echten GitHub-Fehlern behebt das Modell selbstständig – vor zwei Jahren war das undenkbar außerhalb der Cloud.

Geschäftsprozess-Automatisierung (Systeme abfragen, Vorgänge anlegen, Regeln anwenden): Hier misst der Benchmark τ-bench, wie zuverlässig ein Modell im mehrstufigen Dialog Werkzeuge bedient. Das beste offene Modell, GLM-4.5, erreicht 0,797 – die Cloud-Referenz Claude Sonnet 4.5 liegt bei 0,862, OpenAIs o4-mini bei 0,718. Sie lesen richtig: Das freie Modell liegt vor einem bezahlten OpenAI-Modell und nur wenige Punkte hinter der Anthropic-Referenz.

Ein Warnhinweis, der in vielen Blogbeiträgen fehlt: Bei Mixture-of-Experts-Modellen klingt „nur 3 Milliarden aktive Parameter" nach Feierabend-Hardware. Stimmt nicht – sämtliche 80 Milliarden Gewichte müssen in den Grafikspeicher, aktiv ist je Rechenschritt nur ein wechselnder Ausschnitt. In 4-Bit-Komprimierung belegt Qwen3-Coder-Next rund 49 GB. Damit scheiden einzelne Consumer-Karten aus, und wir sind bei der Hardware-Frage.

Die Grafikkarten-Staffel: der Sweet Spot je Budget

Die Modelle sind gratis – die Rechnung kommt bei der Grafikkarte, genauer: beim Grafikspeicher (VRAM). Er entscheidet, welches Modell überhaupt lädt und wie viele Nutzer gleichzeitig bedient werden. So sieht die Staffel Mitte 2026 aus:

KlasseBeispielVRAMStraßenpreis*Was realistisch läuft
Einstieg RTX 5060 Ti 16 GB ≈ 450 € kompakte Modelle; Assistenz und einfache Automatik – Durchsatz-pro-Euro-König, aber kein großer Agent
Gebraucht-Klassiker RTX 3090 (gebraucht) 24 GB ≈ 700–900 € 30-Mrd.-Klasse komprimiert; zwei Stück (≈ 48 GB, ≈ 2.400 €) sind der günstigste Weg zu den 80-Mrd.-Agentenmodellen
Consumer-Spitze RTX 5090 32 GB ≈ 2.400 € 30-Mrd.-Klasse komfortabel samt Kontext; einzige Consumer-Karte mit Antwortstart unter einer Sekunde bei großen Dokument-Abfragen
Workstation RTX PRO 6000 Blackwell 96 GB (ECC) ≈ 12.000–14.800 € 80-Mrd.-Agentenmodelle auf einer einzigen Karte, mit Reserven für viele parallele Nutzer

* Marktpreise Juli 2026, gerundet; Gebraucht- und Consumer-Preise schwanken. Die Workstation-Spanne entspricht den offiziellen Listenvarianten, Board-Partner liegen teils knapp darunter.

Bemerkenswert ist, was eine im Januar veröffentlichte, reproduzierbare Messreihe über die aktuelle Consumer-Generation zeigt: Die große RTX 5090 liefert das 3,5- bis 4,6-Fache des Durchsatzes der kleinen 5060 Ti und startet Antworten auf lange Dokument-Anfragen über zwanzigmal schneller (0,45 statt 9,7 Sekunden bis zum ersten Zeichen). Rechnet man aber Durchsatz pro Euro, gewinnt die kleine Karte. Es gibt also keinen Universalsieger – es gibt den richtigen Kauf für Ihren Anwendungsfall:

Drei Sweet Spots: Wer ausprobieren will, nimmt eine gebrauchte 24-GB-Karte (≈ 800 €). Wer einen echten Agenten will, braucht ≈ 48 GB – am günstigsten als Doppelpack gebrauchter 3090er (≈ 2.400 €). Wer ein Team versorgt und es ernst meint, nimmt die 96-GB-Workstation-Karte: ein Modell, eine Karte, keine Verrenkungen.

Gekauft ist nicht eingefroren: Software verschiebt die Grenze

Bevor Sie mit der Staffel oben einkaufen gehen, eine Beobachtung aus unserem eigenen Maschinenraum, die in keiner Kaufberatung steht: Auf einem unserer Rechner lief neben der Spracherkennung Whisper (deren Eigenheiten wir an anderer Stelle seziert haben) lange nur die kleinste Variante eines lokalen Sprachmodells, Gemma 4 E2B – für die nächstgrößere reichte der Grafikspeicher schlicht nicht. Dann kam ein gewöhnliches Update der Inferenz-Software Ollama – und plötzlich lud das deutlich stärkere Gemma 4 E4B neben Whisper. Dieselbe Karte, dieselben Modelle im Angebot, keine einzige Schraube angefasst.

Der Mechanismus dahinter: Die Software-Schicht, die Modelle auf die Grafikkarte lädt, wird in hohem Tempo besser – effizientere Speicherverwaltung, neue Komprimierungsformate, optimierte Rechenkerne. Dieselbe Karte trägt dadurch Monate später größere Modelle als am Kauftag. Und von der anderen Seite kommt zusätzliche Bewegung: Die Modelle selbst werden effizienter gebaut, sodass mehr Fähigkeit in denselben Speicher passt.

Für die Anschaffung heißt das zweierlei. Erstens: Jede „Passt Modell X in Y Gigabyte?"-Aussage – ausdrücklich auch die in diesem Beitrag – ist verderbliche Ware. Prüfen Sie die Zahlen unmittelbar vor dem Kauf noch einmal frisch. Zweitens, und das ist die gute Nachricht: Die Grenze verschiebt sich fast immer zu Ihren Gunsten – was heute knapp nicht passt, kann nach dem nächsten Update passen. Nur andersherum sollte man nicht kalkulieren: Kaufen Sie Grafikspeicher für das, was heute nachweislich läuft, nicht für ein Versprechen. VRAM bleibt die harte Währung – Software ist der Rückenwind.

Merksatz: Hardware kauft man für Jahre, der Software-Stand dreht sich in Wochen – und er dreht sich für Sie. Dieselbe Karte wird mit der Zeit besser, nicht schlechter.

Ein Server fürs ganze Team: Durchsatz statt Einzelplatz

Ein lokaler Agent für eine Person ist ein Hobby. Interessant wird es, wenn ein Server das ganze Unternehmen bedient – jeder Arbeitsplatz spricht mit derselben lokalen Schnittstelle, so wie mit einem Cloud-Dienst, nur eben im eigenen Netz.

Dafür ist die Wahl der Server-Software entscheidend. Die verbreiteten Einzelplatz-Werkzeuge (etwa Ollama) sind zum Testen wunderbar, brechen aber ein, wenn zwanzig Anfragen gleichzeitig kommen. Produktionsreif ist der Betrieb mit vLLM: Die Software bündelt eingehende Anfragen laufend zu Paketen („Continuous Batching") und verwaltet den Speicher so, dass die Karte permanent ausgelastet ist statt der Reihe nach abzuarbeiten.

Was das bringt, zeigt eine Messreihe eines US-Serveranbieters mit einem 30-Mrd.-Coder-Modell unter 400 gleichzeitigen Anfragen – Gesamtdurchsatz über alle Nutzer:

KarteVRAMDurchsatz gesamtVerhältnis
RTX 409024 GB≈ 2.260 Tokens/s
RTX 509032 GB≈ 4.570 Tokens/s
RTX PRO 600096 GB≈ 8.430 Tokens/s3,7×

Messung eines GPU-Vermieters (gesponsertes Benchmark-Umfeld) – die absoluten Werte daher mit Vorsicht, das Verhältnis ist plausibel: Mehr Grafikspeicher heißt mehr Platz für parallele Sitzungen, der Durchsatz skaliert nahezu linear mit.

Die zweite Stellschraube ist die Komprimierung (Quantisierung): Modelle werden mit reduzierter Zahlengenauigkeit gerechnet, um Speicher und Strom zu sparen. Auf der aktuellen Kartengeneration bringt das 4-Bit-Format NVFP4 etwa das 1,6-Fache an Durchsatz bei 41 % weniger Energie – und kostet je nach Modell nur 2 bis 4 % Qualität. Für den Teambetrieb ist das der Standardweg. Eine Grenze gibt es: Wird zusätzlich der Sitzungsspeicher (KV-Cache) aggressiv komprimiert, kippen die Gewinne – hier ist Zurückhaltung Handwerk.

Faustregel fürs Team: Schon eine einzelne 24-GB-Karte trägt ein 30-Mrd.-Modell für ein ganzes Team gleichzeitiger Nutzer – niemand wartet, weil ein Kollege gerade „dran" ist. Mehr VRAM kaufen Sie nicht für einen Nutzer, sondern für größere Modelle und mehr Parallelität.

Der ehrliche Abstand zur Cloud-Speerspitze

Jetzt zur unbequemen Frage, die seriöserweise beantwortet werden muss: Ihre Mitbewerber nutzen vielleicht schon die Cloud-Spitzenklasse – Claude Opus 4.8 mit einer Million Tokens Kontextfenster oder das im Juni erschienene Claude Fable 5, das auf maximale Denkbudgets geschaltet werden kann. Womit müssen Sie rechnen, wenn Sie stattdessen lokal arbeiten?

Bei kurzen, klar definierten Abläufen: mit erstaunlich wenig. Auf dem Werkzeug-Benchmark τ-bench trennen das beste offene Modell und die Cloud-Referenz nur rund 6 Punkte – und das offene Modell schlägt, wie gezeigt, bezahlte Konkurrenz. Für definierte Geschäftsprozesse ist lokal 2026 schlicht konkurrenzfähig.

Beim alltäglichen Programmieren: mit etwa 17 Punkten. 88,6 % gegen 71,3 % auf SWE-bench Verified – spürbar, aber auf einem Niveau, das die Cloud-Konkurrenz von gestern hinter sich lässt.

Bei langen, vollautonomen Aufgaben: mit einer Klassengrenze. Auf einem besonders harten Prüfstand für lange Aufgabenketten erreicht Fable 5 bei maximalem Denkbudget 29,3 %, Opus 4.8 13,4 %, GPT-5.5 5,7 % – offene Modelle tauchen in dieser Wertung gar nicht erst auf. Dazu kommt das Kontextfenster: eine Million Tokens (ein ganzes Projektarchiv am Stück) gegen 262.000 lokal. Und die eingangs erklärte Fehler-Multiplikation wirkt hier als Verstärker: Was pro Schritt nach wenigen Punkten Abstand aussieht, entscheidet über viele Schritte darüber, ob eine Aufgabe unbeaufsichtigt durchläuft oder alle zwanzig Minuten Betreuung braucht.

Die Faustformel: Definierte Geschäftsprozesse – lokal produktiv, Abstand einstellig. Alltags-Coding – lokal gut, rund 17 Punkte hinter der Spitze. Autonome Mammutaufgaben über Stunden und riesige Projektbestände – das ist und bleibt vorerst Cloud-Terrain. Wer beides braucht, fährt zweigleisig: das Tagesgeschäft lokal, die Ausnahmefälle in der Cloud.

Vier Behauptungen aus dem Netz – nachgeprüft

Zu diesem Thema kursieren Zahlen, die sich beim Nachrechnen in Luft auflösen. Vier davon sind uns bei der Recherche so oft begegnet, dass sie eine eigene Rubrik verdienen:

  • „Die Hardware amortisiert sich in unter vier Monaten." Ließ sich nicht erhärten. Die Rechnung unterschlägt regelmäßig Administration, Modellpflege und realistische Auslastung. Ob sich lokal rechnet, hängt am Nutzungsvolumen – das ist eine Einzelfallrechnung, keine Faustformel.
  • „Lokal ist 40- bis 200-mal billiger als die Cloud." Gleiche Kategorie: Strom-nur-Rechnungen ohne Anschaffung und Betrieb. Seriös ist daran nur der Kern, dass hohe Dauerlast lokal günstiger werden kann.
  • „Die offene Spitzenklasse läuft auf einer einzelnen Profi-Karte." Nein. Die Schlagzeilen-Modelle aus Liga 2 sind Rechenzentrums-Ware. Auf eine einzelne Karte – auch die große mit 96 GB – gehören die 80-Mrd.-Modelle aus Liga 3.
  • „Server-Software X ist immer die schnellste." Die kursierenden Vergleichstabellen widersprechen einander je nach Testaufbau. Belastbar ist: vLLM ist der produktionsreife Standard, alles Weitere entscheidet der eigene Testlauf mit dem eigenen Lastprofil.

Was neben Modell und Karte noch fehlt

Drei Dinge gehören auf den Zettel, bevor ein lokaler Agent produktiv geht – und sie kosten mehr Zeit als die Installation:

  • Aktuelles Wissen: Jedes Modell hat einen Wissensstichtag. Ein Agent, der mit Ihren Dokumenten, Preislisten und aktuellen Systemen arbeiten soll, braucht eine angebundene Wissensbasis (Stichwort RAG) – wie so etwas als zweites Gehirn fürs Firmenwissen aussieht, haben wir bereits beschrieben.
  • Kontext kostet Speicher: Lange Dokumente und lange Agenten-Sitzungen belegen zusätzlichen Grafikspeicher (den Sitzungsspeicher). Wer „96 GB reichen doch locker" nur auf die Modellgröße rechnet, wundert sich im Teambetrieb.
  • Betriebsreife ist die eigentliche Baustelle: Werkzeug-Anbindung funktioniert technisch – der junge Standard MCP verbindet Agenten mit Dateisystemen, Datenbanken und Fachanwendungen. Aber die Governance-Schicht für den Firmeneinsatz (Protokollierung, Rechteanbindung ans Firmen-Login, zentrale Freigaben) steht auf der offiziellen Entwicklungs-Roadmap ausdrücklich als der am wenigsten definierte Punkt. Im Klartext: Wer heute produktiv geht, baut Berechtigungen, Protokolle und Notbremsen selbst. Genau das unterscheidet ein Projekt von einem Experiment.
Kurzer Hinweis: Alle Benchmark-Werte sind hersteller- oder plattformberichtete Angaben (Stand Juli 2026) und können mit anderem Testaufbau abweichen; Straßenpreise schwanken. Dieser Beitrag ist eine Orientierung, keine Kaufempfehlung für den Einzelfall – die entsteht erst aus Ihrem Lastprofil, Ihren Daten und Ihrem Budget.

Unser Fazit

2026 ist das erste Jahr, in dem der Satz „Wir betreiben unseren KI-Agenten selbst" keine Übertreibung mehr ist. Die freien Modelle sind lizenzrechtlich sauber und leistungsmäßig auf dem Niveau der Cloud-Konkurrenz von vor einer Generation – teils darüber. Die Einstiegshürde ist ehrlich benannt eine Hardware-Frage: Ab rund 2.400 Euro Grafikkarten-Budget wird es ernst, mit einer 96-GB-Karte wird es souverän.

Kurz gefasst: Geschäftsprozess-Automatisierung – lokal reif, ab der 48-GB-Klasse. Programmier-Agent – lokal gut, gleiche Klasse. Team-Betrieb – eine Karte, vLLM, Komprimierung, läuft. Nur wer die autonome Cloud-Speerspitze mit Millionen-Token-Kontext braucht, kommt an ihr nicht vorbei – und sollte das dann bewusst entscheiden, nicht aus Gewohnheit.

Häufige Fragen

Was unterscheidet einen KI-Agenten von einem Chatbot?

Ein Chatbot beantwortet eine Frage und ist fertig. Ein Agent bekommt ein Ziel, ruft dafür selbstständig Werkzeuge auf – Dateien lesen, Programme starten, Systeme abfragen –, prüft die Ergebnisse und arbeitet mehrstufig weiter, bis das Ziel erreicht ist. Diese Mehrstufigkeit ist der Grund, warum Agenten deutlich zuverlässigere Modelle brauchen als ein Chat.

Reicht eine normale Gaming-Grafikkarte für einen lokalen KI-Agenten?

Für Assistenz-Aufgaben und kurze, klar umrissene Automatisierung ja – ab etwa 16 bis 24 GB Grafikspeicher. Die wirklich agententauglichen offenen Modelle brauchen aber rund 48 GB und mehr: Das erreichen Sie mit zwei gebrauchten 24-GB-Karten ab etwa 2.400 Euro oder mit einer 96-GB-Workstation-Karte. Mit 8 oder 12 GB bleibt es beim Chat.

Ist ein lokales Modell so gut wie ChatGPT oder Claude?

Nein – und das muss es oft auch nicht sein. Bei klar definierten, kurzen Arbeitsabläufen liegen die besten lokal lauffähigen Modelle nur wenige Punkte hinter den Cloud-Spitzenmodellen und schlagen auf dem Software-Benchmark SWE-bench Verified sogar GPT-5.5. Bei langen, vollautonomen Aufgaben über viele Stunden bleibt die Cloud-Speerspitze dagegen eine eigene Klasse.

Welches freie Modell ist 2026 der beste Startpunkt?

Für Programmier-Agenten Qwen3-Coder-Next (Apache-2.0-Lizenz, 71,3 Prozent auf SWE-bench Verified). Für Geschäftsprozess-Automatisierung die GLM-4.5-Familie (MIT-Lizenz), die auf dem Werkzeug-Benchmark τ-bench das beste offene Ergebnis erzielt. Beide Lizenzen erlauben den kommerziellen Einsatz ohne Ballast.

Was kostet der Betrieb eines lokalen KI-Servers?

Ehrliche Antwort: Die kursierenden Pauschalen – etwa eine Amortisation in unter vier Monaten – halten einer Prüfung nicht stand. Real sind Anschaffung, Strom (mehrere hundert Watt unter Last), Administration und Modellpflege. Ob sich das gegenüber Cloud-Preisen rechnet, hängt vom Nutzungsvolumen ab und gehört seriös durchgerechnet – für den Einzelfall, nicht per Faustformel aus dem Netz.

Dürfen wir mit einem lokalen Modell personenbezogene Daten verarbeiten?

Lokaler Betrieb ist datenschutzrechtlich ein großer Vorteil: Die Daten verlassen das Haus nicht, es gibt keinen Drittlandtransfer und keinen externen Auftragsverarbeiter für die Inferenz. Die DSGVO-Pflichten – Rechtsgrundlage, Zweckbindung, Betroffenenrechte, Verarbeitungsverzeichnis – bleiben aber bestehen. Lokal heißt: weniger Baustellen, nicht keine.

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