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Defender einstellen – daheim wie im Büro

Die komplette byteland-Empfehlung zum Nachbauen – für Ihren PC und die im Büro.

01

Butter bei die Fische

Hier steht, was wir stattdessen einstellen. Keine Prinzipien-Diskussion, keine „es kommt darauf an“-Absicherung: Werte, Reihenfolge, fertig.

Für wen das hier ist: für alle, die ihren eigenen Rechner ernst nehmen – und für alle, die in einer kleineren Firma dafür zuständig sind, dass die Kollegen ihren ernst nehmen. Der Weg ist derselbe: Ein Erpressungstrojaner erkundigt sich vorher nicht nach der Rechtsform.

Ein gemeinsamer Schutzschirm über Wohnhaus und Bürogebäude, an dem drei Angriffe abprallen
Ein Schirm, zwei WeltenDieselben Werte schützen den Rechner im Wohnzimmer und die zwanzig im Büro. Der Aufwand unterscheidet sich, die Konfiguration nicht.
Plan AMit der DefenderHardeningSuite klicken. Zwei Presets, zwei Handgriffe, Snapshot inklusive. Der empfohlene Weg – für einen Rechner wie für vierzig.
Plan BPowerShell, für die harten Jungs und Mädels. Gleiche Werte, ohne Netz und doppelten Boden.

Beides in zwei Phasen: erst beobachten, dann blockieren. Wer alles auf einmal scharf stellt, dreht am dritten Tag genervt alles wieder zurück – und erzählt fortan überall, Härtung sei praxisfremd.

02

Das Ziel

Die Zielkonfiguration

Nichts von dem, was jetzt kommt, muss installiert oder gekauft werden. Es ist alles schon da – nur eben auf einer Werkseinstellung, die gleichzeitig auf jedem Rechner der Welt passen muss und deshalb auf keinem richtig sitzt.

Grundschutz: alles an. Echtzeitschutz, Verhaltensüberwachung, heruntergeladene Dateien, Skripte, E-Mail, Archive, USB, Netzwerkdateien, Blockieren beim ersten Erkennen. Hier gibt es nichts abzuwägen. Wer eines davon ausschaltet, hat dafür einen Grund – und der ist erfahrungsgemäß ein Programm, das der Hersteller hätte besser schreiben sollen.

Cloud & Schutzfunktionen
EinstellungWert
Cloudbasierter Schutz (MAPS – der Auskunftsdienst, den Defender bei Unbekanntem fragt)Erweitert (2)
Cloud-BlockierstufeHoch Plus (4)
Erweitertes Cloud-Timeout50 Sekunden
Automatische Beispiel-ÜbermittlungAlle Beispiele (3)
Schutz vor unerwünschten Anwendungen (PUA)Blockieren (1)
NetzwerkschutzBlockieren (1)
Überwachter Ordnerzugriff (CFA – schützt Ihre Dokumentordner vor fremden Schreibzugriffen)Blockieren (1)
Signatur-Prüfintervall4 Stunden
Die 19 ASR-Regeln

ASR (Attack Surface Reduction, zu Deutsch Angriffsflächen-Reduzierung) unterbindet typische Angriffsmuster. Also die Sorte Ereignis, bei der ein Word-Dokument beschließt, PowerShell zu starten – wofür es weder im Büro noch im Wohnzimmer jemals einen guten Grund gab.

RegelnModusWarum
1–14BlockierenDer Kern: Treiber, LSASS, WMI, Office, Mail, Skripte, USB, Ransomware.
15–18WarnenDie vier lautesten. Blockieren trotzdem – der Benutzer kann im Einzelfall durchwinken.
19AusWebshell, reine Server-Regel – auf einem normalen Rechner so nützlich wie ein Scheibenwischer am U-Boot.
03

Plan A – empfohlen

Mit der Suite: klicken statt tippen

Die kostenlose DefenderHardeningSuite zeigt jede Option an einem Ort – mit Ist-Wert, Empfehlung und Erklärung. Und sie legt vor jeder Änderung einen Snapshot an, den ein Klick zurückholt. Genau deshalb ist das Plan A: Sie können hier nichts kaputt machen, was nicht ein Klick wieder geradebiegt. Das beruhigt mehr, als es klingt – jedenfalls beim ersten Mal.

Phase 1Profil › Preset anwenden › Hardening, ASR/CFA Audit
→ Härtung scharf, ASR und Ordnerschutz gucken erst mal zu.
Phase 2Profil › Preset anwenden › Hardening plus, ASR/CFA Block
→ danach zwei Handgriffe von Hand, siehe unten.

Die zwei Handgriffe nach Phase 2 – im Reiter Härten die Beispiel-Übermittlung auf „3 – Alle Beispiele“, im Reiter ASR die Regeln 15 bis 18 auf „Warnen“. So sieht das fertig aus:

Moment – warum empfiehlt das Werkzeug etwas anderes?

Gut aufgepasst. In der Spalte Empfohlen steht dreimal etwas Zahmeres: „sichere Beispiele“ statt „alle“, „Hoch“ statt „Hoch Plus“, „Überwachung“ statt „Warnen“.

Das ist Absicht. Ein Werkzeug soll keine Entscheidung treffen, die Ihnen gehört – mehr Datenweitergabe, mehr Fehlalarm-Risiko, Meldungen, die einen Menschen am Bildschirm brauchen. Die Suite schlägt deshalb den vorsichtigen Wert vor und hebt ihn auch beim Flotten-Rollout nie eigenmächtig an. Dieser Artikel ist die Stelle, an der wir Farbe bekennen: Wir setzen die drei Werte höher. Warum, steht in Abschnitt 06.

Zwei Dinge nimmt Ihnen die Suite noch ab: Der Lern-Assistent wertet die Ereignisse der Beobachtungsphase aus und schlägt Ausnahmen mit Risikobewertung vor – statt Sie einen Abend lang durch die Ereignisanzeige klicken zu lassen. Die Ereignisanzeige ist ein hervorragendes Werkzeug, aber noch niemand hat sie freiwillig geöffnet. Und aus einem fertig eingestellten Rechner baut sie auf Wunsch ein Startskript für die ganze Flotte – für alle, deren Flotte aus mehr als einem Laptop besteht.

04

Der Fahrplan

Zwei Wochen, eine Stunde Aufmerksamkeit

Tag 1Phase 1 setzen. Grundschutz und Cloud sind sofort scharf – die machen keinen Ärger. ASR und Ordnerschutz protokollieren nur.
Tag 2–5Arbeiten wie immer. Wichtig: Die Zeit muss reichen, bis jeder typische Ablauf einmal gelaufen ist. Im Büro sind das Monatsabrechnung, Sicherungslauf, Fernwartung und das eine Branchenprogramm, das optisch bei Windows XP stehen geblieben ist. Zu Hause: Steuerprogramm, Spiele-Launcher, die Software für den 3D-Drucker, das Bildbearbeitungsprogramm mit dem Plug-in von 2016.
Tag 6Ereignisse durchsehen (30 Minuten). Pro Treffer eine Frage: Kenne ich das Programm, und gehört es hierher? Ja → Ausnahme, so eng wie möglich. Nein → nichts tun. Das ist kein Versehen, das ist der ganze Sinn der Übung.
Tag 7Phase 2 setzen. Scharf.
Woche 2Täglich kurz in die Ereignisse schauen. Danach nur noch bei Bedarf.
Drei Dinge, die Ihnen sonst den Nachmittag kosten

Ausnahmen eng setzen. Die konkrete .exe für die konkrete Regel. Nicht der Ordner, erst recht nicht das Laufwerk. Jede Ausnahme ist ein Loch in der Wand, die Sie gerade hochziehen.

Neu starten. Der Klassiker, an dem schon ganze Nachmittage gestorben sind: Ausnahme gesetzt, meckert trotzdem weiter. Regeländerungen und Ausnahmen greifen erst, wenn das betroffene Programm neu startet. ASR-Regeln selbst brauchen einen Rechner-Neustart, der Ordnerschutz wirkt sofort.

Nicht freitagnachmittags scharf stellen. Muss man nicht begründen.

05

Plan B – für Tastaturmenschen

Dasselbe in PowerShell

Sie halten Mausklicks für eine Zumutung? Bitte sehr, Sie sind hier unter Freunden. Gleiche Werte, gleiche zwei Phasen – nur ohne Snapshot-Netz. Deshalb zuerst das hier, als Administrator:

Ab hier auf eigene Gefahr – das meinen wir ernst, auch wenn der Rest launig klingt. Die folgenden Blöcke verändern die Sicherheitskonfiguration Ihres Systems. Wir stellen sie unentgeltlich zur Verfügung und haben jeden Wert am Quellcode geprüft – eine Gewährleistung für Fehlerfreiheit oder die Eignung für Ihre Umgebung übernehmen wir nicht, die Haftung ist auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt (§ 521 BGB). Alles steht offen lesbar da: erst lesen, dann ausführen. Und zwar in dieser Reihenfolge.

# Ist-Zustand sichern. Nicht ueberspringen. Doch, wirklich nicht.
Get-MpPreference | Export-Clixml "$HOME\Desktop\defender-vorher.xml"

Phase 1 – Beobachten. Vollständig, zum Kopieren:

#requires -RunAsAdministrator
# byteland-Empfehlung, Phase 1: Haertung scharf, ASR + CFA nur protokollierend

$einstellungen = @{
    # Grundschutz: $false heisst "nicht deaktiviert", also AN
    DisableRealtimeMonitoring     = $false
    DisableBehaviorMonitoring     = $false
    DisableIOAVProtection         = $false
    DisableScriptScanning         = $false
    DisableEmailScanning          = $false
    DisableArchiveScanning        = $false
    DisableRemovableDriveScanning = $false
    DisableScanningNetworkFiles   = $false
    DisableBlockAtFirstSeen       = $false

    MAPSReporting        = 2    # Erweitert
    SubmitSamplesConsent = 3    # Alle Beispiele
    CloudBlockLevel      = 4    # Hoch Plus
    CloudExtendedTimeout = 50   # Sekunden

    PUAProtection                = 1    # Blockieren
    EnableNetworkProtection      = 1    # Blockieren
    EnableControlledFolderAccess = 2    # 2 = nur beobachten

    SignatureUpdateInterval             = 4
    CheckForSignaturesBeforeRunningScan = $true
    MeteredConnectionUpdates            = $true
}
Set-MpPreference @einstellungen

# Alle 19 Regeln explizit: 1-18 beobachten (2), 19 aus (0)
$asrIds = @(
  '56a863a9-875e-4185-98a7-b882c64b5ce5',  # 1  Anfaellige signierte Treiber
  '9e6c4e1f-7d60-472f-ba1a-a39ef669e4b2',  # 2  LSASS-Diebstahl
  'e6db77e5-3df2-4cf1-b95a-636979351e5b',  # 3  WMI-Persistenz
  'd4f940ab-401b-4efc-aadc-ad5f3c50688a',  # 4  Office startet Kindprozesse
  '3b576869-a4ec-4529-8536-b80a7769e899',  # 5  Office erzeugt Ausfuehrbares
  '75668c1f-73b5-4cf0-bb93-3ecf5cb7cc84',  # 6  Office schleust Code ein
  '92e97fa1-2edf-4476-bdd6-9dd0b4dddc7b',  # 7  Win32-API aus Makros
  '26190899-1602-49e8-8b27-eb1d0a1ce869',  # 8  Outlook startet Kindprozesse
  'be9ba2d9-53ea-4cdc-84e5-9b1eeee46550',  # 9  Ausfuehrbares aus Mail/Webmail
  '7674ba52-37eb-4a4f-a9a1-f0f9a1619a2c',  # 10 Adobe Reader startet Kindprozesse
  '5beb7efe-fd9a-4556-801d-275e5ffc04cc',  # 11 Verschleierte Skripte
  'd3e037e1-3eb8-44c8-a917-57927947596d',  # 12 JS/VBScript startet Downloads
  'b2b3f03d-6a65-4f7b-a9c7-1c7ef74a9ba4',  # 13 Unsignierte Prozesse von USB
  'c1db55ab-c21a-4637-bb3f-a12568109d35',  # 14 Ransomware-Schutz
  '01443614-cd74-433a-b99e-2ecdc07bfc25',  # 15 Verbreitungs-/Alterspruefung
  'd1e49aac-8f56-4280-b9ba-993a6d77406c',  # 16 PSExec und WMI
  '33ddedf1-c6e0-47cb-833e-de6133960387',  # 17 Neustart im abgesicherten Modus
  'c0033c00-d16d-4114-a5a0-dc9b3a7d2ceb',  # 18 Kopierte Systemwerkzeuge
  'a8f5898e-1dc8-49a9-9878-85004b8a61e6'   # 19 Webshell (nur Server)
)
$asrAktionen = @(2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2,2, 0)

Set-MpPreference -AttackSurfaceReductionRules_Ids     $asrIds `
                 -AttackSurfaceReductionRules_Actions $asrAktionen

Der Block ist vollständig – im Feld weiterscrollen, oder gleich oben rechts auf Kopieren.

Phase 2 – Scharf. Ebenfalls vollständig – einmal markieren, einmal einfügen, fertig. Es ändern sich genau zwei Dinge gegenüber Phase 1 (beide im Code markiert), aber Sie sollen nicht zwei Blöcke von Hand zusammensetzen müssen:

#requires -RunAsAdministrator
# byteland-Empfehlung, Phase 2: scharf. ASR blockiert, Ordnerschutz blockiert.

$einstellungen = @{
    # Grundschutz: $false heisst "nicht deaktiviert", also AN
    DisableRealtimeMonitoring     = $false
    DisableBehaviorMonitoring     = $false
    DisableIOAVProtection         = $false
    DisableScriptScanning         = $false
    DisableEmailScanning          = $false
    DisableArchiveScanning        = $false
    DisableRemovableDriveScanning = $false
    DisableScanningNetworkFiles   = $false
    DisableBlockAtFirstSeen       = $false

    MAPSReporting        = 2    # Erweitert
    SubmitSamplesConsent = 3    # Alle Beispiele
    CloudBlockLevel      = 4    # Hoch Plus
    CloudExtendedTimeout = 50   # Sekunden

    PUAProtection                = 1    # Blockieren
    EnableNetworkProtection      = 1    # Blockieren
    EnableControlledFolderAccess = 1    # AENDERUNG 1: 1 = blockieren (war 2 = beobachten)

    SignatureUpdateInterval             = 4
    CheckForSignaturesBeforeRunningScan = $true
    MeteredConnectionUpdates            = $true
}
Set-MpPreference @einstellungen

# Alle 19 Regeln explizit, gleiche Reihenfolge wie in Phase 1
$asrIds = @(
  '56a863a9-875e-4185-98a7-b882c64b5ce5',  # 1  Anfaellige signierte Treiber
  '9e6c4e1f-7d60-472f-ba1a-a39ef669e4b2',  # 2  LSASS-Diebstahl
  'e6db77e5-3df2-4cf1-b95a-636979351e5b',  # 3  WMI-Persistenz
  'd4f940ab-401b-4efc-aadc-ad5f3c50688a',  # 4  Office startet Kindprozesse
  '3b576869-a4ec-4529-8536-b80a7769e899',  # 5  Office erzeugt Ausfuehrbares
  '75668c1f-73b5-4cf0-bb93-3ecf5cb7cc84',  # 6  Office schleust Code ein
  '92e97fa1-2edf-4476-bdd6-9dd0b4dddc7b',  # 7  Win32-API aus Makros
  '26190899-1602-49e8-8b27-eb1d0a1ce869',  # 8  Outlook startet Kindprozesse
  'be9ba2d9-53ea-4cdc-84e5-9b1eeee46550',  # 9  Ausfuehrbares aus Mail/Webmail
  '7674ba52-37eb-4a4f-a9a1-f0f9a1619a2c',  # 10 Adobe Reader startet Kindprozesse
  '5beb7efe-fd9a-4556-801d-275e5ffc04cc',  # 11 Verschleierte Skripte
  'd3e037e1-3eb8-44c8-a917-57927947596d',  # 12 JS/VBScript startet Downloads
  'b2b3f03d-6a65-4f7b-a9c7-1c7ef74a9ba4',  # 13 Unsignierte Prozesse von USB
  'c1db55ab-c21a-4637-bb3f-a12568109d35',  # 14 Ransomware-Schutz
  '01443614-cd74-433a-b99e-2ecdc07bfc25',  # 15 Verbreitungs-/Alterspruefung
  'd1e49aac-8f56-4280-b9ba-993a6d77406c',  # 16 PSExec und WMI
  '33ddedf1-c6e0-47cb-833e-de6133960387',  # 17 Neustart im abgesicherten Modus
  'c0033c00-d16d-4114-a5a0-dc9b3a7d2ceb',  # 18 Kopierte Systemwerkzeuge
  'a8f5898e-1dc8-49a9-9878-85004b8a61e6'   # 19 Webshell (nur Server)
)
# AENDERUNG 2: 1-14 blockieren (1), 15-18 warnen (6), 19 aus (0)
$asrAktionen = @(1,1,1,1,1,1,1,1,1,1,1,1,1,1, 6,6,6,6, 0)

Set-MpPreference -AttackSurfaceReductionRules_Ids     $asrIds `
                 -AttackSurfaceReductionRules_Actions $asrAktionen

Der Block ist vollständig – im Feld weiterscrollen, oder gleich oben rechts auf Kopieren.

Und weil man sich am Ende gern selbst auf die Schulter klopft – die Kontrolle:

Get-MpPreference | Select-Object CloudBlockLevel, SubmitSamplesConsent,
    EnableControlledFolderAccess, EnableNetworkProtection, PUAProtection

(Get-MpPreference).AttackSurfaceReductionRules_Actions   # 14x 1, 4x 6, dann 0
Zwei Feinheiten, die man wissen sollte

Das setzt absolut – auch nach unten. Set-MpPreference ist kein Wunschkonzert, sondern eine Ansage: Es stellt her, was in der Liste steht. Stand eine Regel strenger, wird sie herabgestuft. In Phase 1 ist das gewollt (definierter Ausgangszustand), bei einer bestehenden Härtung schauen Sie vorher hin. Das Flotten-Skript der Suite macht es umgekehrt: Es verstärkt nur und stuft nie herab – auf fremden Maschinen will man nichts kaputtmachen.

Alle 19 Regeln stehen explizit drin, auch die Server-Regel 19 mit 0. Weglassen hieße „nicht konfiguriert“, und das ist etwas anderes als „aus“ – ungefähr der Unterschied zwischen „abgeschlossen“ und „nur angelehnt“.

06

Die drei strittigen Werte

Warum wir höher gehen als der Standard

„Alle Beispiele“ statt „sichere Beispiele“

Die wichtigste Einstellung des Artikels – und die einzige, über die sich vernünftige Menschen ernsthaft streiten können.

Kann die Cloud anhand der Metadaten nicht entscheiden, fordert sie die Datei selbst an, zündet sie in einer Sandbox und schaut zu. Das stoppt neue Schadsoftware in Sekunden, lange bevor es Signaturen gibt. Der Haken an der Werkseinstellung: „Sichere Beispiele“ sendet nur Dateitypen ohne persönliche Daten – EXE, DLL, Skripte. Bei allem anderen kommt eine Rückfrage, die niemand beantwortet.

Und jetzt raten Sie, welcher Dateityp damit draußen bleibt. Genau: das Office-Dokument. Also ausgerechnet der Anhang, mit dem Phishing seit Jahren die meisten Netze aufmacht. Microsoft sagt es selbst: Wer will, dass Makros in Word-Dateien mitanalysiert werden, braucht „alle Beispiele“.

Und jetzt die Kehrseite, ohne Beschönigung: Ja, im Verdachtsfall verlässt dann auch mal ein Dokument das Haus, in dem Geschäfts- oder Personendaten stehen können. Nicht Ihre Dateiablage, nicht die Buchhaltung, nicht der Urlaubsordner – ausschließlich das, was Defender verdächtig findet und lokal nicht klären kann. Aber es bleibt eine Übermittlung an einen Dritten, und das ist keine Kleinigkeit, die man in einem Nebensatz abräumt.

Und jetzt stellen Sie die beiden schlimmsten Fälle nebeneinander. Mit dieser Einstellung: Im Zweifel wandern einzelne verdächtige Dateien zur Analyse zu Microsoft. Ohne sie: Der Phishing-Anhang geht durch, und im schlimmsten Fall sind die komplette Kundendatenbank und die gesamte Buchhaltung verschlüsselt, abgeflossen oder beides. Das eine ist ein überschaubares Risiko, das Sie bewusst eingehen. Das andere ist der Anruf beim Steuerberater, die Meldung an die Aufsichtsbehörde und die Frage, wann zuletzt jemand das Backup getestet hat.

Anders gesagt: Wer die Übermittlung aus Datenschutzgründen ablehnt, schützt ein paar Dokumente davor, analysiert zu werden – und riskiert dafür, dass alle Dokumente in fremde Hände geraten. Datenschutz verliert man nicht durch eine Sandbox-Analyse. Man verliert ihn durch einen erfolgreichen Angriff.

Deshalb in aller Deutlichkeit: Das oben ist unsere Empfehlung – die Entscheidung ist Ihre. Wir gewichten den Schutz vor dem realistischsten Angriffsweg höher als dieses Restrisiko. Aber wir sitzen nicht in Ihrem Haus, kennen Ihre Verträge nicht und stehen nicht in Ihrem Verarbeitungsverzeichnis. Wer nach eigener Abwägung bei „sichere Beispiele“ bleibt, hat deshalb keinen schlechter eingestellten Defender – sondern eine andere, genauso vertretbare Antwort auf dieselbe Frage.

Falls es bei Ihnen einen Datenschutzbeauftragten gibt

Dann liegt genau das hier auf seinem Tisch, und zwar zu Recht. Erfahrungsgemäß freut er sich erheblich mehr, wenn er vorher gefragt wird, als wenn er es hinterher in einer Konfiguration entdeckt. Sie können ihm die Arbeit leicht machen: Es geht um SubmitSamplesConsent, um die automatisierte Analyse verdächtiger Dateien durch Microsoft und um die Frage, ob das bei Ihnen sauber dokumentiert ist. Drei Sätze Vorlauf ersparen beiden Seiten ein deutlich längeres Gespräch.

Und wenn er zu einem anderen Ergebnis kommt als wir: Er kennt Ihr Haus, wir nicht. Dann gilt seine Antwort, und der Rest dieses Artikels funktioniert auch mit SubmitSamplesConsent 1 hervorragend.

Regeln 15–18 auf „Warnen“ statt „Überwachen“

Vier Regeln gelten als die Schreihälse der Familie: Verbreitungsprüfung, PSExec/WMI, Safe-Mode-Neustart, kopierte Systemwerkzeuge. Der übliche Rat lautet, sie dauerhaft auf „Überwachen“ zu lassen.

Gut gemeint, schützt null. „Überwachen“ protokolliert nur. Der Angriff läuft durch, Sie haben hinterher einen sauberen Bericht über Ihren eigenen Schaden.

„Warnen“ blockiert – lässt den Benutzer aber im Einzelfall durchwinken, wenn er weiß, was er tut. Eine Wand mit Klinke also, kein Loch. Zwei Einschränkungen: Auf Servern und unbeaufsichtigten Kisten sitzt niemand vor dem Bildschirm – dort gehören die vier auf „Blockieren“. Und die Regeln 2 (LSASS) und 6 kennen gar kein „Warnen“, die stehen ohnehin auf Blockieren.

Cloud-Blockierstufe „Hoch Plus“

Die misstrauischste Stufe, die Defender kennt, ohne ins Paranoide zu kippen: strengeres Urteil bei unklaren Dateien, dafür etwas mehr Fehlalarm-Risiko. Auf normalen Rechnern mit gängiger Software in der Praxis unauffällig. Nebeneffekt, den kaum jemand kennt: Einige ASR-Regeln melden sich überhaupt erst ab dieser Stufe.

Ohne Cloud geht das alles nicht

Microsoft nennt den Cloud-Schutz „kritisch für die ASR-Funktionalität“. Regel 15 entscheidet sogar ausschließlich anhand von Cloud-Daten. Wer ASR ohne Netz betreibt, misst die schwächste Ausbaustufe und hält sie für „die Härtung“ – und wundert sich später, warum das gelobte ASR bei ihm nie etwas gefunden hat.

07

Unterm Strich

Was das bringt

Ein so eingestellter Rechner macht genau die Türen zu, durch die tatsächlich eingebrochen wird: Makros in Anhängen, Skripte aus dem Netz, Zugriff auf Anmeldedaten im Speicher, Verschlüsselung eigener Dokumente, Fernstart von Prozessen. Ohne Zusatzprodukt, ohne Abo, ohne jährliche Verlängerungsmail – mit dem, was seit dem ersten Einschalten mitgeliefert wird.

Der Aufwand steckt nicht im Einschalten, sondern in der Reihenfolge und im Hinsehen während der ersten Woche. Rund eine Stunde, verteilt auf zwei Wochen – deutlich weniger, als ein einziges Gespräch dauert, in dem Sie jemandem erklären müssen, warum die Buchhaltung seit gestern verschlüsselt ist.

Was Härtung nicht ist

Ein Backup. Härtung verhindert, dass etwas passiert – sie holt nichts zurück, wenn doch etwas passiert ist. Wer beides verwechselt, hat am Ende eine hervorragend geschützte Maschine ohne seine Daten. Warum daran auch das teuerste Schutzpaket nichts ändert, rechnen wir in Verhindern oder aufräumen? in aller Ruhe durch.

Gilt für ganz normale Rechner – Ihren zu Hause wie die im Büro. Auf Servern sind mehrere Werte anders zu setzen, und einige Schutzfunktionen brauchen dort eine ausdrückliche Freischaltung.

Keine Lust, das selbst zu machen? Völlig in Ordnung – wir härten Ihre Maschinen. Eine oder alle.

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